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Entlang des Lago Puelo zur Mündung des Rio Turbio

Wir pellen uns früh aus den Schlafsäcken, weil wir heute zeitig weiter ziehen wollen. Das Zelt ist schon abgebaut und verstaut und wir sitzen beim Frühstück, als einen junge, ernst blickende Frau und klar macht, dass wir uns auf privatem Grund befinden und doch bitte verschwinden sollen. Naja, so privat ist das ja nicht, wie wir wissen und beenden gemütlich unser Frühstück. Ein Steifen von 25 Metern Breite neben Flüssen ist öffentliches Land und darf betreten werden. Fertig gesattelt dürfen wir dann sogar ihr Grundstück zur Straße passieren und werden wesentlich freundlicher verabschiedet. Wir folgen dem Camino zum Turbio-Delta. Der sagenumwobene Turbio, der Trübe , ein fast einhundert Meter breiter Fluss, der durch die vielen Mineralien die er auf seinem Weg von Gletscher zum Tal mitreißt, ganz milchig aussieht. Er ist nicht zu unterschätzen, werden wir gewarnt, immer wieder werden Unkundige von den Fluten mitgerissen. Besonders unberechenbar ist der Treibsand, der dann plötzlich einbricht, wenn man darauf tritt. Wir haben so ein Erlebnis am Rio Traful vor einem Jahr gehabt. Plötzlich war Trueno einen halben Meter eingebrochen. Das war ohne Wasser kein Problem, doch im reißenden Fluss sehr unangenehm und gefährlich. Brücken gibt es nicht. Wer auf die andere Seite besuchen möchte, muss durch den Fluss. Regelmäßig queren Menschen, die ihre Estancia auf der anderen Seite haben, wie die Familien Vigero oder weiter oben in den Bergen, am Lago Esperanza, leben, den Fluss, beruhige ich mich. Ich habe ordentlich Respekt, besonders dann, wenn Roland, mögliche Furten aus der Ferne mit „Na, das sieht man doch“, beurteilt. Doch erst einmal sind wir auf dem schmalen, felsigen Weg zum Turbio unterwegs. Da es der einzige Zugang zum Tal des Turbio ist, können wir den gut begangenen Pfad nicht verfehlen. Oft geht es rechts steil zum Lago hinunter und links felsig nach oben. Zuerst schlängelt sich der Weg durch verbrannten Wald. Überall ragen verkohlte Stämme in den blauen Himmel. Wir haben Glück, dass die Sonne noch nicht direkt auf den Hang scheint und uns brät. Bald erreicht der Pfad unversehrten Wald und wir erleben von einem Moment zum anderen, was Wald bedeutet. Der Schatten und die kühle Luft lassen mich leichter atmen. Wie angenehm! Der Blick zum See natürlich ist nur noch bedingt möglich, dafür entschädigt der Wald mit seiner Vielfalt. Immer wieder staune ich über die riesigen Büsche blühender Fuchsien und unterschiedlichster Farne. Nach einer guten Stunde treffen wir am Seeende und bei Mario ein. Mario, der junge Guarda Parque mit den Rastaschwänzchen am Hinterkopf zeigt uns, wo die Pferde bleiben können und Futter finden. Wir campen daneben am Seeufer. Fast idyllisch. Doch Myriaden von Mückenschwärmen überfallen und malträtieren und und unsere Pferde. Die Armen wälzen sich laufend im Sand, um die Übeltäter abzuschütteln. Wir verziehen uns zeitig ins Zelt und beenden die Sonnenuntergangsidylle mit See. Im Zelt öffne ich noch ein Türchen vom Adventskalender und und denke, wie wenig weihnachtlich es doch ist.

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