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Regentage, Neuschnee und ein Dach überm Kopf bei der Familie Rosales

Wir beginnen das neue Jahr mit vollständiger Weidezaunausrüstung. 😉 Die gestrige Suche nach der verlorenen 15. Stange setzen wir heute Morgen fort. Unglaublich, irgendwo muss die fast Meter hohe silberne Stange mit grünem Isolator doch stecken! Nachdem Zelt und Koppel abgebaut sind, packe ich alles ein. Ich glaube, ich spinne. Beim Verpacken zähle ich 15 Stangen. Hier war wohl der Andenkobold im Spiel.... Wir müssen einen kurzen, aber sehr steilen Aufstieg meistern. Trueno, unser Alterspräsident, muss ab und zu stehen bleiben, um zu verschnaufen. Irgendwie dauert Jefe dieser Aufstieg zu lange. An einer günstigen Stelle zieht er an Roland und Trueno vorbei und trabt ein Stück nach oben. Bleibt stehen und dreht sich um:“ So geht das. Leute“. Was ihm natürlich sofort einen Anpfiff einbringt. Ich bin gerade dabei, den Aufstieg zu filmen und lache noch über diese Szene. Meine Unaufmerksamkeit nutzt Söckchen, um eigene Wege zu gehen. Noch ehe ich reagieren kann, streift er mit mir durchs Unterholz. Oben angekommen, futtern die Pferde zufrieden und wir lachen noch immer über diesen chaotischen Aufstieg. Ein rieselndes Geräusch unterbricht unser Lachen. Nein! Nicht schon wieder! „Jefe!“, schimpfe ich und vertreibe den Übeltäter. In einem unbeobachteten Moment hat er in den dünnen, mit Hafer gefüllten Stoffschlauch, der über dem Sattelhorn hängt, gebissen und einfach aufgefetzt. Unsere Futterreserve rieselt ins Gras. Zwei Pferdeköpfe sind sofort dabei, die kostbaren Körner aufzusammeln. Nur Jefe muss zusehen. Vor wenigen Tagen erst hatte ich den Sack zugenäht, weil er ihn schon einmal aufgerissen hat. Die Aktion heute war vorsätzlich. Strafe muss sein! Wir suchen den Pfad durch den Wald. Er ist nicht ganz eindeutig. Obwohl Roland hier schon einmal war, braucht er eine Weile, um den Platz mit dem Heiligen Severino zu finden. Wir stehen vor einem Baum mit einem kleinen Schrein für den Heiligen. Der ganze Baumstamm hängt voller Geschenke für Severino: Ketten mit Kruzifixen, Autoschlüssel, Geld, ein Hufbein, vor allem Hufeisen. Soweit man mit den Armen reichen kann, sind Hufeisen an den Baum genagelt, um den Gaucho vor unliebsamen Ereignissen zu schützen. Wir zünden eine Kerze an, hängen unsere Geschenke dazu und lassen in einigen Momenten der Ruhe unsere Wünsche hier. Die Pferde dösen die ganze Zeit, sogar unser Rabauke ruht diszipliniert im Nieselregen. Durch den Südbuchenwald mit herrlich alten Bäumen steigen wir zum Lago Futualaufquen und zu Lukas Estancia Bahia Anacleto ab. „Rolando!“ Lukas erinnert sich sofort an Rolands Besuch vor 4 Jahren. Lukas Vater hat im Assado-Häuschen für uns eingeheizt. Wir brauchen ein Dach, war die Meinung der Familie, denn es soll „bastante“ Regen geben. Während unsere drei die Koppel auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit einer Kuh teilen, richten wir uns in dem Einraum-Häuschen ein. Das Dach ist dicht. Durch eine Wand kann ich nach draußen sehen, eine andere Seite ist mit einer Plane gegen Regen abgedichtet. Nur das Rütteln des Windes bleibt nicht draußen. Aber es gibt ein gefliestes Bad mit WC und Dusche. Eine Dusche und warmes Wasser, oh ist das herrlich! Alles an mir klebt und verdreckt. Lukas lacht, wenn wir in 4 Jahren wieder kommen, sind alle Wände neu und eine tolles Ferienhaus erwartet uns. Wir sind froh, dass wir ein dichte Dach über dem Kopf und eine Feuerstelle haben, denn es regnet wirklich mächtig und es ist kalt geworden. Die Berggipfel um uns sind in Wolken gehüllt. Wir erinnern uns: Vor zwei Jahren Silvester bei Aila am Vulkan Lanin. Zwei Tage Dauerregen und Neuschnee auf den Gipfeln. Wird es hier ähnlich werden? Wir verbringen vier Tage bei der gastfreundlichen Familie Rosales. Der Vater versorgt Roland mit Cordero, die Mutter uns beide mit 6 Kilogramm selbst geernteten Walnüssen , die ich in einem „Knackmarathon“ von den Schalen befreie, und Lukas bringt uns das Fehlende aus dem Supermercado in Epujen mit. In den Regenpausen beschlägt Roland die Pferde neu. Ich habe Zeit. Und Muse Tagebuch zu schreiben, ich stopfe Löcher und stelle aus Hefeteig und Wasser Nudeln her. Ich fühle mich ein bisschen wie meine Omi, bei der es früher diese leckeren Selbergemachten oft gab. Zu Hause wäre es mir bestimmt nicht eingefallen, Nudeln herzustellen, die es im Supermarkt für kleines Geld gibt. Und doch es ist schon etwas anderes, den Prozess der Herstellung zu erleben: den Teig kneten, gehen lassen, platt drücken, Nudeln schneiden, trocknen lassen und dann erst kochen. Es nimmt Zeit in Anspruch, es kostet keine Anstrengung der Gedanken, es macht zufrieden. Diese einfachen Arbeiten lassen den Geist zur Ruhe kommen. Meine Omi brauchte keine Meditation, ihr Alltag war damit gespickt. Es gibt tatsächlich Neuschnee in den Bergen. Lukas Freundin Quimai aus BsAs, die seit vielen Jahren einige Sommerwochen in Patagonien am Lago verbringt, meint traurig im dicken Pullover: "Eigentlich sind jetzt hier 30 Grad.“ Veränderungen im Wetter – ich möchte nicht Klimaveränderungen sagen – spüren die Patagonier deutlich. Viele Menschen machen sich Sorgen über den fehlenden Schnee im Winter. Das Schmelzwasser fehlt das ganze Jahr über und viele Arroyos sind schon zeitig im Jahr trocken. Wasser fehlt. Nicht nur in den Gebieten der Estepa und nicht nur für die Tiere. Auch in den Orten ist Wassermangel ein Thema. Manche Gemeinden erlassen Regeln zum Wassersparen, andernorts schließen sich Eigentümer zusammen, um für eine gemeinsame Versorgung Projekte anzuschieben. Abgelegene Puestos und Casas, die ohne Wasser bleiben, werden aufgegeben. Im Gegensatz dazu steht der Kampf ums Grün in den Orten. Es ist üblich, täglich den Rasen mit Wasser zu sprengen, um einen grünen Garten zu haben, dessen Gras regelmäßig gemäht wird.

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