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Wieder Rückzug und eine Meer blühender Disteln

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eitiges Aufstehen ... zeitig, bevor die Sonne über die Berg schaut, heißt eisige Kälte. Die Nächte im Valle del al Magdalena waren nie über Null Grad. Unsere Wasserflaschen haben eine Eisschicht. Rolands T-Shirt, das er am Abend gewaschen hatte, stand bretthart am Zelt. Wir schaffen trotz der ungemütlichen Temperaturen einen  zeitigen Start. Unser Ziel: Coll de Tres Pikos. Den Aufstieg finden wir nur mit großer Mühe. Nach zwei Fehlversuchen, die mit Umkehr im steiler werdenden Hang endeten, finden wir endlich einen Pfad, der sich nicht im Nichts auflöst. Im Gegenteil, weiter oben im Wald sind zahlreiche, recht frisch getretene Tierpfade. Offenbar wurden vor kurzem Tier nach oben getrieben. Irgendwann gaben wir auf, im Gewirr der Pfade den richtigen zu finden. Wir beschlossen, den

Tag mit dem Ritt zur Malline unterhalb der Tres Pikos, abzuschließen. Wir stiegen durch den Laubwald bergauf und standen bald vor einem typischen Mapuche-Tor, einem Geflecht aus Baumstämmen und Ästen. Sorgsam baute Roland das Kunstwerk auseinander und verschaffte uns Eintritt. Was für ein Anblick! Wie eine riesengroße Arena, die von den Felswänden der Tres Pikos gesäumt war, lag diese endlose Malline uns zu Füßen. Roland steckt provisorische Koppel für unsere drei ab. Während sie zufrieden kauen und sich vom Aufstieg erholen, schauen wir unentwegt auf diese endlose Malline. Wie viele hundert Tier mögen hier grasen? Von uns aus wirken Schafe, Rinder und Pferde wie kleine Pünktchen. Ein Gaucho, umringt von einer Hundemeute treibt einige Schafe. Wir stellen uns sein einfaches Leben vor. Das Puesto können wir nicht sehen, doch

alles was er braucht, hat er hier. Sein einfaches Leben ist seit Monaten auch unser Leben geworden. Gerade hier in dieser gigantischen Weite wird uns unser Kleinheit bewusst. Wie unbedeutend und ebenbürtig mit allen anderen Lebewesen wir in dieser Natur sind.  "Ein Fliegenschiss an einer zerberstenden Fensterscheibe..." kommen mir die Worte eines Freundes in den Sinn. "Lass uns zum Gipfel klettern," reißt mich Roland aus den Gedanken. Es ist spät geworden, seit 6 Stunden sind wir unterwegs. Und der Abstieg steht noch vor uns. Wir klettern die letzten Höhenmeter durch Schotter und rund gewitterte Felsbrocken zu den schroffen Gipfelfelsen der Pikos hoch. Trotz des Dunstes (war wieder ein Vulkan ausgebrochen?) können wir in der Ferne den schneebedeckten Lanin und Teile unserer morgigen Strecke überschauen. Wir gehen zurück und genießen noch einmal den Blick auf diese unglaubliche Malline.

In der Ferne winken wir dem Gaucho zu. Fremde gibt es hier sonst nicht. Wir steigen den bekannten Weg durch den Wald zügig ab ins Tal. Nach einer Stunde bauten wir unser Nachtlager am Puesto Flores auf.  Das "Puesto der Blumen" - ein Meer blühender Disteln erwartet uns. Und eine Herde freilaufender Pferde mit Nachwuchs. Neugierig wurden wir begrüßt. Roland versuchte die Herde zu verscheuchen. Wir hatten Bedenken, dass die Nacht sonst sehr unruhig werden kann. Nach zwei Versuchen  gaben wir auf. Die Herde kam immer wieder zurück und machte uns klar, dass sie zuerst hier war. Unser drei waren relativ unbeeindruckt von ihren wilden Kollegen. Nach kurzer Zeit hat sich auch die Herde an unsere Anwesenheit gewöhnt und ging zum gemütlichen Grasen über. Nur sehr neugieriges Fohlen musste unseren Elektrozaun untersuchen. Es war so erschrocken, dass es quer durch die Koppel sauste - die Stute hinterher. Außer einer zerstörten Koppel war nichts passiert. Zum Glück, dachten Jefe, Trueno und Söckchen nicht daran, den Platz mit dem leckeren Gras zu verlassen. Roland baute in der Dunkelheit die Koppen neu auf und ich bewachte das Tun der Herde...Erst sehr spät kommen wir zur Ruhe und beschließen, den kommenden Tag nicht weiter zu ziehen, sondern hier zu bleiben.

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