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Eine Hose macht noch keinen Frieden

vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit

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❧ 99 Seiten aus ALMAs Pilgertagebuch


Gerade bereite ich mich wieder vor, meine Ernährung für eine Weile bewusster zu gestalten. Dabei kam mir eine Begebenheit in den Sinn, die inzwischen zwei Jahre zurückliegt. Eine Hose, die nicht mehr passte. Und die Frage einer Freundin, die damals einiges in Bewegung brachte.


Die Hose, die nicht mehr passt

Meine Lieblingshose, mit der ich viele Kilometer durch die Anden geritten und am Lagerfeuer gesessen hatte, passte nicht mehr. Ausgerechnet die. Sie kniff am Bauch, und der Bund erinnerte mich ständig daran, dass ich früher schlanker war. Ich erzählte einer Freundin davon. Sie schaute mich verständnislos an und fragte: „Warum kaufst du dir nicht einfach neue Hosen?"

Ich staunte: Neue Hosen kaufen. Natürlich. So einfach.

Darauf war ich tatsächlich noch nicht gekommen. In meiner Welt gab es nur die Hosen, die ich besaß, und den Körper, der gefälligst wieder hineinpassen sollte. Dass auch neue Hosen ein Stellhebel sein konnten, hatte ich übersehen. Ich nörgelte lieber an meinem Körper herum. Also kaufte ich eine neue Hose. Nichts kniff mehr, nichts drückte. Ich konnte wieder bequem sitzen.


Wenn der eigene Körper fremd wird

Doch in mir rumorte noch immer ein leises Unbehagen, wenn ich mich im Spiegel sah. Wie ein innerer Aufruhr, der sich dagegen auflehnte, dass man so aussehen müsse, wenn man auf die 60 zugeht….

Ich war mein ganzes Leben lang sehr schlank gewesen. Und nun war da dieser Bauch, der offenbar beschlossen hatte, zu mir zu gehören. Ich konnte es nicht fühlen – er blieb mir fremd. Natürlich gab es ausreichend Stimmen: „Du bist doch noch gar nicht dick." Oder: „Das ist nun mal so in den Wechseljahren." Aber so ist das – wenn ich es nicht fühle, ist es nicht meins. Denn es ging mir längst nicht mehr um die Frage, ob andere mich schlank oder dick fanden. Ich wollte mich wieder wohlfühlen in meinem Körper. Der Körper, der mich schon so viele Jahre durchs Leben trägt. Der mit mir durch die Wälder gelaufen ist, auf Pferden gesessen, Berge hinaufgestiegen und so vieles ausgehalten hat.

Ich hatte inzwischen allerlei Produkte ausprobiert, die Frauen in den Wechseljahren versprechen, wieder zu ihrem alten Körpergefühl zurückzufinden. Geholfen hatte mir keines davon.


Mein Weg zum neuen Körpergefühl

Dann begann ich, meine Ernährung zu verändern. Ich hatte schon immer gesund gegessen. Vollkorn, viel Gemüse, Käse light – und Fleisch nur in Argentinien. Was aber, wenn mein veränderter Stoffwechsel mit denselben Rohstoffen plötzlich etwas anderes macht? Bingo. Ich tat anderes rein und es kam tatsächlich anderes raus – nämlich ein Körper, in dem ich mich endlich wieder wohl fühle. Ich wollte erst schreiben, ich sei wieder die Alte. Aber das stimmt nicht. Ich bin nicht mehr die Frau von vor zwanzig Jahren. Und ich möchte es auch gar nicht sein.

Mein Körper hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Und mein Essen hat sich verändert.

Manchmal denke ich an diesen einen Satz meiner Freundin. „Warum kaufst du dir nicht einfach neue Hosen?"


Was leigt direkt vor uns?

Wie viele Möglichkeiten liegen wohl direkt vor uns, die wir gar nicht sehen, weil wir so sehr daran gewöhnt sind, dass etwas auf eine bestimmte Weise zu sein hat?

Die neuen Hosen waren zuerst eine Erleichterung. Und ich bin froh, dass ich mir erlaubt habe, weiterzusuchen. Auf meine Weise. Denn jetzt bin ich in Frieden – mit meinem Körper, dem Zuhause meiner Seele.

Vielleicht geht es dir auch manchmal so, dass du versuchst, in etwas hineinzupassen, das längst zu eng geworden ist?








 
 
 

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