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Aufstieg zum Refugio Natacion - Truenos Satteldecke ist verschwunden

Gegen 11 Uhr starten wir mit sämtlichem Gepäck in Richtung Refugio Natacion. Ein steiler stundenlanger Aufstieg liegt vor uns. Wir wollen dort oben übernachten, wenn für die Pferde genügend Futter wächst.

Doch zuerst einmal müssen wir ins Tal des Rio Azul absteigen. Wir queren den Fluss mit den großen rund gewaschenen Steinen, um auf die andere Flussseite zu gelangen. Kurze Hufeisenkontrolle: alle sind noch dran. Danach beginnt gleich der steile Aufstieg. Der Weg ist nicht zu verfehlen, aber steinig und voller Schotter. Und sehr sehr steil. Natürlich laufen wir, um es den Pferden nicht noch schwerer zu machen. Weiter oben gibt es keine Schatten spendenden Bäume und wir sind der brennenden Sonne ausgesetzt. Ich bin froh über den einsetzenden Nieselregen. Endlich erreichen wir ein Hochplateau mit Wald. Wie angenehm – Schatten und Wasser. Drei junge Argentinier sind auf dem Abstieg, die einzigen, die uns begegnen. "Eine halbe Stunde noch." Gras gäbe es oben nicht so viel. Die Kürze des noch zurückzulegenden Weges spornt an, doch die Info, dass wir kein Gras haben, dämmt die Freude ein. Gegen halb vier erreichen wir die Laguna Natacion – ein wunderschöner, stiller Platz. Zwei junge Männer, die das Puesto betreiben , begrüßen uns und zeigen, wo die Pferde bleiben können... An einem geschützten Platz zwischen den Bäumen haben sie sich eine Pause von der anstrengenden Kletterei verdient. Bevor sie ruhen können bekommt jeder eine Portion Hafer, während wir die Umgebung nach möglichen Übernachtungsplätzen absuchen. So richtig ergiebig ist´s hier nicht. Es ist noch zu zeitig im Jahr und das Gras hatte noch nicht genug Zeit zum Wachsen. Bei einem Kaffee mit Blick über die Laguna überdenken wir die Varianten. Die Nacht hier oben wird kalt werden, für uns mit den Daunenschlafsäcken kein Problem. Doch für unsere drei mit dem spärlichen Bewuchs wird das keine Freude. Der einsetzende Regen erleichtert uns die Entscheidung: Abstieg. Es ist schon halb fünf und ich befürchte, wir kommen in die Dunkelheit, so dass ich zur Eile mahne. Die Vorstellung, diesen steinigen steilen Weg im Finsteren zu gehen macht mir Sorgen. Wir brechen auf und laufen flott. Die Pferde wissen, dass wir unten ankommen müssen und laufen engagiert. Sogar Söckchen trödelt nicht. Auch die steilen Passagen absolvieren wir zügig und ohne Probleme. Der Blick über die Malline Ahogado in der Abendsonne ist überwältigend. Diese Winzigkeit der besiedelten Bereiche von hier oben spiegelt unsere Kleinheit in dem ganzen Gefüge wieder. Plötzlich ruft Roland: „Truenos Decke ist verschwunden. Ich muss zurück,“ und beendet meine philosophischen Betrachtungen. Durch die steilen Abstiege hat sich die Satteldecke nach hinten hinausgemogelt und liegt nun irgendwo auf dem Weg...So ein Mist! Es ist so spät, dass ich ihn zum Glück überreden kann, diese erst morgen zu suchen. Mit drei Pferden hätte ich den restlichen Weg allein nicht bewältigen mögen. Es ist nicht mehr weit bis zur Flussquerung. Wir stehen auf der breiteren Piste und legen die restliche Strecke bis zu unserem „Fussballfeld“ zügig zurück. 19:30 Uhr steht das Zelt, unsrer drei Bergsteiger fressen genüsslich das Sportplatzgras und wir zischen ein Bier. Wie Urlaub ;-). Todmüde mit ordentlichem Muskelkater falle ich heute ins Bett und bin froh, dass ich morgen eine Ruhetag habe, während Roland die Satteldecke suchen geht.

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