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"recuerdos horribles" unserer Gastgeber

Gestern Abend beobachteten wir einen Gaucho, der mit seinem Pferd lautstark den steilen Hang hinaufkletterte. Es kostete ihn einiges an "Überzeugungsarbeit" das Pferd zu motivieren. Einzelne Schafe, die sich zwischen den Bäumen verirrt hatten, wurden zur Herde ins Tal getrieben. Wir mussten dort zum Glück nicht hinaufklettern. Mariano hatte uns einen anderen Weg beschrieben. Wir mussten eine ganze Weile suchen. Im Hang waren zahlreiche

Triebwege, ein eindeutiger Weg war nicht mehr zu sehen. Als sich der Weg zu einer sehr steinigen, engen Schlucht verengte, kehrten wir ein Stück um und stiegen einige Meter ab. in Risiko wollten wir nicht eingehen. Doch dann fanden wir einen Pfad und bald sahen wir die blau-weiße Kennzeichnung des Huella Andina. Der Ausblick zurück auf dem Lago war herrlich.  Wir verließen den Huella, um im weiten Tal einen Bogen über das alte Puesto zu reiten. Wir fanden es. Es sah verlassen aus. Weder ein Gaucho noch Pferde waren zu sehen. Aber Unmengen Rinder und Schafe waren im breiten Hochtal grasend unterwegs. Kaum zu glauben, dass von dieser minikurzen Grasnarbe jemand satt wird. An einer Stelle waren wir uns über den weiteren Weg unschlüssig und kehrten um. Söckchen weigerte sich massiv, was er sonst nie tat. Später stellte sich heraus, dass wir genau dort einfach weiter geradeaus hätten reiten können und wären genau richtig gewesen. Mein kleiner Pfadfinder! Der weitere Aufstieg bis auf 2012 Meter ging schnell. Und dann lag es wieder vor uns: diese endlos weite Hochebene die dann recht steil in

das Tal des Arojo Correntoso abfällt. Wir konnten eine Pferdeherde ausmachen. Nach mehrmaligen Zählen einigten wir uns auf mindestens 50 Tiere.  Am Puesto im Tal, das leicht an den einzigen Bäumen weit und breit erkennbar war, stand das gesattelte Pferd des Gauchos. Es war gegen drei, Siesta. Wir lagen gut in der Zeit, so entschieden wir, einen Abstecher zu den Lagunas zu machen. Dort wollten wir rasten und den fardo an unsere drei verfüttern. Alexander hatte von den Lagunas geschwärmt. Da fällt mir aber auch sofort die "horrible" Geschichte, die uns sein Freund erzählte, als sie mit den Kindern dort waren. Beim verspäteten Abstieg wurde die Gruppe von der Finsternis überraschte. Und finster heißt hier wirklich finster. Keine Lampen dabei und die Kinder hatten furchtbare Angst vor der Nacht und den Pumas, die es in der Gegend gibt. Ich glaube, die Eltern auch. Dieser Ritt war allen als Horror

sehr lebendig in Erinnerung geblieben... Wir stiegen auf. Es war heiß, baumlos und sehr windig. Die Laguna lag wie ein hellblaues Auge in einem fad grauem Gesicht vor uns. Es war keine gute Idee hier rasten zu wollen. Der wertvolle fardo wurde regelmäßig von einer Böe erfasst und davon geweht. Die Fresspause, die sich unsere Pferde verdienst hatten, wurde vom Winde verweht. Mist. Schnell weg hier. Je weiter wir abstiegen, desto windstiller wurde es.  Ein Stück weiter durch die schroffen Felsen und ein wundervoller Blick auf den Lanin versöhnte mich mit den Widrigkeiten. Die Nordseite war mittlerweile schneefrei. Die Sicht war etwas getrübt. Doch die Magie dieses Vulkans wirkte auch durch den Dunstschleier. Was für eine Ausstrahlung! Nachdem wir den Ausblick ausreichend genossen hatten, begann der steile Abstieg. Bald war der felsige Untergrund wieder mit Gras bewachsen. Auf einer Malline machten wir endlich Rast. Das Gras stand gut. Offenbar waren die Rinder noch nicht sehr lange hier oben. Unsere drei ausgehungerten stürzten sich auf die grünen Spitzen. Leider hatten wir nicht zu viel Zeit. Der Abstieg war noch lang und es war schon später als erwartet.

Beim Abstieg folgte ich Roland und seinen zwei Pferden wie fast immer. Der Boden war so ausgetrocknet, dass ich ständig in einer Staubwolke ritt. Auch das Abstand halten brachte nicht viel. Wahrscheinlich hatte ich eine Tonne Staub in den Augen und am ganzen Körper. Heute Abend eine Dusche ... schwirrt es mir im Kopf herum. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir im Tal an. Die Suche nach einem Rastplatz und der Hunger zerrte an unseren Nerven. Streit. Schließlich standen Koppel und Zelt. Es war finster. Zum Kochen hatte ich keine Kraft mehr. Wortlos schlief ich ein.

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