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Die Nacht auf 1400 Metern war kalt. Eine Eisschicht überzog das Wasser in den Falteimern. Am Morgen standen unsere Pferde fordernd am Zelt: Wo bleibt unser Futter? Trueno und Söckchen zitterten. Das harte Pampagras hatte wenig Nährwert. Die meisten Ähren hatten ihre Körnchen schon verloren. Gierig stürzten sie sich auf den Hafer, den Roland verteilte. Wir frühstückten flott und sattelten. Bewegung machte die Kälte erträglich. Mit jedem Sonnenstrahl, der über den Bergrücken schaute, wurde es wärmer. Ich konnte eine Schicht nach der anderen ausziehen. Die knappe Bekleidung die ich mit auf der Reise hatte, reichte aus. War es kalt, zog ich alles übereinander an. Durch den trockenen, staubigen Araukarienwald stiegen wir bis ins weite Tal des mäandrierenden Arojo Calfiquitra ab. Wir ritten wieder auf dem Huella Andina. Ein junger Gaucho galoppierte ohne Sattel,

wie aufs Pferd geklebt, mit typischer Indianerzäumung an uns vorbei. Er trieb zwei Pferde in einen aus Baumstämmen gebauten Coral. Der Braune trug Hobbel. Das sind aus Rohhaut, Leder oder einfach Plastiktüten hergestellte Fußfesseln, die eng unterhalb der Fesseln um die Vorderbeine gebunden werden. Sie sollen die Flucht der Pferde verhindern. Der Braune wusste das offenbar nicht und war trotz Hobbel sehr flott unterwegs. Am Puesto fragten wir nach Fardo. Nein, hier nicht, aber Lago würden wir Alfalfa kaufen können. Zwei Stunden später saßen wir mit Mariano im Schatten der Bäume am Westufer des Lago und tranken Mate. Mariano ist Mapuche und betreut den kleinen, einfachen Campingplatz und den Almacen. Er hatte uns mit einem Strahlen begrüßt und half die Koppel aufzubauen. Noch während Roland nach einer Möglichkeit suchte, den Weidedraht anzubinden, klopfte er einen Cania-Stab in der Erde. Praktisch. Cania gibt es in dieser Region fast immer und die Stengel sind hart und widerstandsfähig. Mit zwei Handgriffen hob er ein dickes Brett aus Araukarienholz auf zwei Holzklötze und fertig war die Bank im Schatten der Südbuche. Die für uns frisch gebackenen Torta fritas und Tomaten aus der Dose ware

n unser Mittag. Erst jetzt nahm ich die Ruca wahr, die typische Behausung der Mapuche. Mariano hatte auch Fardo für uns. Allerdings in seinem Haus im sechs Kilometer entfernen Ort. Hin- und zurück war für uns eine halbe Tagesreise und heute nicht mehr zu schaffen. Ein Auto muss ran. Drei standen auf dem Campingplatz. Leider hatte keiner der Besitzer Zeit (wir fahren gleich ab) oder Lust (der Weg ist so schlecht) mit uns die Holperpiste bis in den Ort zu fahren. Also zogen wir weiter, um eine andere Möglichkeit zu finden. Und sie kam. Wie überhaupt immer Lösungen kamen. Hier auf unserer Reise. Wenn es gelingt ins das Leben unterwegs zu vertrauen, wirst du vom Leben unterstützt. Auf dem nächsten Campingplatz stand eine weißer Picup. Wie für uns gemacht. Roland suchte die Besitzer und trug unser Anliegen vor. Claro! Kein Problem. Die fünfköpfige Familie bewirtschaftete selbst 2500 Hektar fruchtbares Land in der Region Buenos

Aires und verstand unsere Sorge um das Wohl der Pferde. Die beiden Männer fuhren davon und kamen nach einer Stunde mit anderthalb Bündeln Fardo zurück. ... fuhr sie zu unserem Nachtlager am anderen Ende des Sees. Wir ritten zurück. Zuvor kauften wir im Almacen ein: ein Bier, einen Pfirsich und eine Orange. Was für ein Angebot! Von unserem Nachtlager hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf den Lago Rucachoroi. Jetzt konnte ich Tine und Jan verstehen, die diesen Campingplatz als einen der schönsten Flecken beschrieben. Und die beiden haben schon viel gesehen: seit dreißig Jahren verbringen die beiden Deutschen jeden Urlaub in den Anden. Anfangs wollten sie auswandern, scheiterten aber an der trägen argentinischen Bürokratie.

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