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Tres picos, Roland ist weg und "todo privado"

Schon zehn Uhr kommen wir auf der Malline unterhalb der Tres Picos an.

Nur 50 Minuten haben wir für den Aufstieg durch den Hochwald gebraucht. Wieder baute Roland die Torkonstruktion aus Stämmen und dicken Ästen auseinander und nach unserer Passage wieder zusammen. Ein junger Gaucho im knallroten Pullover trieb gerade einige Pferde an uns vorbei auf eine Malline im Nachbartal. Er wies auf einen schmalen Pfad unterhalb der Tres Picos. Ich atmete auf, als er bejahte, dass wir auf der anderen Seite ins Tal absteigen könnten. Auf den Satellitenbildern hat Roland nur Fragmente eines Pfades finden können. Wir steigen die letzten staubigen Meter auf. Erst heute fallen mir die bizarren Formen der Felsen und Geröllbrocken auf. Da steht eine von Stein umhüllte "Venus" am Wegesrand oder dort oben, sieht das nicht aus wie eine Menschenmenge, die zusammengedrängt im Kreis steht,

als würden sie etwas in ihrer Mitte etwas betrachten...? Die Spuren des Gauchos und seiner Pferdegruppe durch die umliegenden kantigen Felsbrocken waren noch frisch. Wir folgten ihnen bis unser Blick die Malline im nächsten Tal erfasste. Dort standen auch schon seine Pferde ruhig fressend im hellgrünen Gras der kleinen Grasinsel. Wir folgten dem Pfad "unterhalb" der Tres Picos - hochgebirgig, wunderschön. Plötzlich hielt Söckchen inne, schaut zu den Gipfeln. Erst dann hören auch wir einen Steinschlag. Die Brocken donnern steil in Tal. Weit oben unter einer Felswand und nur mit der Kameravergrößerung erkennen wir zwei Hirsche mit einem stattlichen Geweih. Der Pfad führt uns um den dritten der Gipfel herum. Wir fragen uns, ob es nicht auch möglich wäre, über den Sattel zwischen dem

zweiten und dritten hindurch abzusteigen. Wir wagen uns bis an die Kante um die Lage zu erkunden. Sofort ist uns klar, warum auch wir lieber den vorhanden Pfad um die Gipfel wählen: wir stehen oberhalb einer steil abfallenden Felswand. Keine 200 Meter weiter halten wir wieder den Atem an: Staunen, was für ein Anblick! Der Bergsattel gab den Blick frei. Zu unseren Füßen liegt das riesige Tal des Rio Malleo und weit entfernt, fast auf Augenhöhe der majestätische Vulkan Lanin. Da war er wieder mit seiner Magie, seiner Anziehung, seinem Zauber. Es ist nicht nur die Höhe, die bei jedem Anblick Gänsehaut auf die Haut zaubert. Es ist seine magische Kraft und wohl auch unser Erlebnis bei seiner Querung, die Nähe zu diesem Platz und das Prasseln der Gletscherabbrüche dort oben. Lanin. Ich bin 

in deinem Bann. Der Abstieg beginnt. Das Massiv der Tres Picos mit den steilen Felsabbrüchen lassen wir "links liegen". Wir queren einige kleine Mallines und rasten zur Mittagspause mit Laninblick. Unsere drei knabbern das kurze Gras. Kühe waren schon hier, doch das stört unsere drei Anspruchslosen nicht. Und wir haben uns ihnen schon sehr angepasst... Die Viehspuren verlaufen sich. Es wird immer schwerer im Wald durch das Caniadickicht einen Pfad zu finden. Ein paarmal drehen wir uns im Kreis. Roland versucht mit der Machete einen Weg für uns zu bahnen. Ich warte mit den Pferden, für sie ist die Pause ok. Alle drei

knabbern am Cania. Für mich sind diese Situationen immer wieder eine Herausforderung. Ein Zurück gibt es nicht, unsere Lebensmittelvorräte würden nicht reichen. Roland riss mich aus den Gedanken. Es ging weiter. Wir entdeckten einen uralten Zaun aus dicken Baumstämmen, dahinter verlief ein Pfad. Roland dirigierte True no durch eine sehr schmale Lücke auf die andere Seiten. Mit dem beladenen Jefe aber hatten wir keine Chance dort durchzukommen. Alles Absatteln? Dazu haben wir auch keine Lust.

Die Suche ging weiter. Roland mit Trueno auf der einen Seite, wir auf der anderen. Da wir uns durch umgestürzte Bäume und Caniadickicht zu weit voneinander entfernten, wurden die Pferde unruhig. Roland kam zurück. Dann endlich. Ein neuer, breiterer Durchschlupf war nur mit wenigen kleineren Stämmen verbaut. Endlich, hier passen wir alle durch. Die Suche hat viel Zeit gekostet. Von unserer Mittagsrast waren vier Stunden vergangen. Wir müssen ins Tal. Nur dort werden wir ausreichend Futter finden. Wenig später standen wir auf einem vegetationslosem Plateau. Hinter uns der undurchdringliche

Wald, aus dem wir kamen, rechts und links steile Abbrüche und vor uns ein schmaler, steiler abfallender Bergrücken, der zwar ins Tal führt, aber auch keinen Weg vermuten ließ. Ich bin den Tränen nahe. Für meinen Abenteuer Roland geht der Spaß jetzt erst richtig los. Er ist überzeugt, dass es einen Weg geben muss. Die Sattelitenbilder haben hin und wieder Spuren erkennen lassen. Mit GPS und Machete zieht Roland los. Ich warte wieder mit unseren drei Pferden. Nach einer gefühlten Stunde werde ich unruhig, ich rufe, ich schreie, ich pfeife, nichts. Roland antwortet nicht. Abgestürzt, schießt es mir durch den Kopf. Ich binde die Pferde an und klettere ein Stück talwärts. Ich rufe immer wieder in diese absolute Stille. So allein und hilflos hab ich mich selten gefühlt... Gedankenfetzen

schießen durch meinen Kopf: Ich muss Roland suchen, Pferde mit nehmen, oder lieber hier lassen? Noch dösen die drei, aber ewig bleiben sie nicht so ruhig angebunden stehen, finde ich den Weg zurück?... Noch bevor ich mich beruhigen und wieder einen klaren Gedanken fassen kann, taucht Roland völlig außer Atem und verschwitzt auf: "Ich hab nen Pfad!". Meine Tränen laufen vor Erleichterung... Er war dem Pfad sehr weit gefolgt, um sicher zu gehen, dass er nicht wieder im Nichts endete. Meine Rufe und Pfiffe konnte er nicht mehr hören. Wir steigen vorsichtig über das kahle Geröllfeld ab. Dann war zwischen den Bäumen tatsächlich ein Pfad zu erkennen. Er war nicht schwer, nur unendlich staubig. Pferdefutter gab es nicht. Wir mussten auf jeden Fall bis ins Tal absteigen. Ab und

zu umrankten Reina Mora (Mutisa Spinosa), bis ein Meter hohe immergrüne Kletterpflanzen aus der Familie der Korbblütler, die trockenen Büschen. Die Pferde lieben diese Leckerbissen, nicht nur, weil es nichts anderes gibt. Nach und nach verbreitert sich der Pfad zu einer Fahrspur. Wir entdecken einen Asadoplatz, die Estancia kann nicht mehr weit sein. Nach einigen Kilometern treten wir durch ein nicht verschlossenes Tor ein und sehen schon Häuser. Übernachtung gesichert, denke ich erschöpft. Ein sehr schicker Gaucho empfängt uns: "Todo privado!". Das ist uns klar. Wir wollen ja auch nur für eine Nacht einen Platz mit Futter für unsere Pferde und unser Zelt. Er erklärt, dass das hier wohl schwierig würde und funkt seinen dueno, den Eigentümer der Estancia, an. Nein, nichts zu machen. Er soll uns aus der Estancia "Tres Picos" hinaus begleiten,

ca. 2 Stunden Ritt und wir sind draußen und auf der Straße - im Finsteren ohne Futter. Roland übernahm das Funkgerät und sprach mit dem dueno. Akzentfreies Englisch, wunderte er sich. Schließlich handelte er für uns eine Nacht Bleiberecht heraus. Morgen 9 Uhr sollen wir seinen Grundbesitz verlassen. Manana, das war erst Morgen. Ich war so glücklich. Wieder haben wir den weit und breit den besten Platz für Jefe, Trueno und Söckchen gefunden. Weil unser Benzin für den Kocher leer war, bekamen wir heißes Wasser für den yerba mate von dem schicken Gaucho. Eigentlich war er ganz nett. ... Kurz darauf kam der dueno mit seinem großen Picup angefahren. Bei laufendem Motor erklärte er uns noch einmal persönlich, dass er keine Fremden mag, ihn nicht

interessiert woher wir kommen und wohin wir wollen. Ihn interessiert nur, dass wir morgen 9 Uhr sein Eigentum verlassen. Sein Gaucho wird uns führen - zum Tor im Osten. Dass wir aber in den Westen müssen, diskutierten wir an den Abend nicht mehr. Das war heute nicht wichtig. Wichtig ist das Nächstliegende, der Platz für diese Nacht, das Heute und dieser wunderschöne Ausblick.

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