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Was ist mit Jefe los?

Im April 2015 haben wir bei unserer Abfahrt eine große Kiste mit Pferdesachen, die wir nicht mit zurück nach Hause nehmen wollten, hier zurückgelassen. Am Vormittag breiten wir alle Sachen aus und beginnen zu sortieren: Mitnehmen, dalassen, Müll. Faltschüsseln, Weidezaunband und Isolatoren, Zeltunterlagen und Abdeckungen, Halfter, Packtaschen... so viel Zeug, Hilfe! Rolands und meine Philosophie von Ordnen treffen hier heftig aufeinander. Wir einigen uns: Roland sortiert, ich schreibe blog. Das bringt Entspannung für alle. Nach dem ausgiebigen Mittagessen fährt Gonzalo mit uns zum 10 km entfernten Puesto von Ramon. Dort haben unsere drei Pferde zwei Winter verbracht. Ich bin aufgeregt. Wir passieren die Stelle am Rio Escondido, an der wir die Pferde vor 1,5 Jahren frei gelassen haben. … wir haben eine Wurmkur gegeben uns dann sind sie los. Söckchen hatte den Braten zuerst gerochen und sich über den gegenüberliegenden Hang davon gemacht....wir fahren die buckelige Piste weiter hoch und runter durch den Südbuchenwald. Dann öffnet sich das Tal und vor uns liegt das Puesto von Ramon. Über Funk war er über unser

Kommen informiert und hat unsere drei schon vor der Scheune am Anbindebalken bereitgestellt. Wir sind glücklich, sie in einem so guten Zustand zu sehen. Es fühlt sich an, als haben wir sie gestern verlassen. Alle drei sind gut über den Winter gekommen, sie sind nicht mager und das Fell glänzt. Trueno, unser Autist, wird älter. Jetzt ist er vielleicht 16. Das genaue Alter kennt Roland nicht. Der Stoffwechsel wird im Alter langsamer und verzögert den Fellwechsel. Am Bauch hängen überall noch kleine Winterfellzipfel. Söckchen ist von meiner Anwesenheit relativ unbeeindruckt. Seine schiefen Vorderhufe sind noch schiefer geworden. Während unserem Ritt und dem vorherigen Beschlagen nach der F-Balance-Theorie durch die Schmiedin Mavi aus Bariloche habe sich die Hufe gut entwickelt und sind ausbalancierter geworden. Die Schiefe soll offenbar mit den aufgebrachten Eisen korrigiert werden. Alle anderen zehn Hufe sind unbeschlagen. Man sieht ihnen an, dass die Bearbeitung fehlt. Lang, hebelnde Wände und Ausbrüche. Das Beschlagen wird eine Herausforderung für Roland. Ich beschlage nicht. Die Theorie ist mir im Vergleich zu meiner Barhufbearbeitung fremd. Vieles bearbeite ich völlig anders. Aber barhuf können wir nicht unterwegs sein, nicht hier und nicht so lange Strecken. Hufschuhe werden hier nicht verwendet. Die Hitze im Zusammenhang mit den steinigen Böden beansprucht die Schuhe zu stark und Ersatz für defekte Teile gibt es hier nicht... Jefe scheint am meisten verändert. Seine Augen schauen traurig und leer. Dieser aufgeweckte Jungbursche, der jeden Morgen vorm Zelt stand und weitere Abenteuer erleben wollte, ist nicht mehr der Alte. Das macht mich traurig. Er ist ein ganz Besonderer. Nie gebrochen oder auf die typische argentinische Art zahm gemacht. Ihm fehlt die linke Ohrspitze. … Wir werden herausfinden, was war.

Doch erst einmal packen wir die gekauften Hufeisen aus. Roland passt die alten Eisen an und schaut, welche Eisenform noch passen könnte und was völlig neu geformt werden muss. Außerdem quasseln wir mit Ramon, trinken Mate und erfahren eine Menge aus seinem Leben auf der Estancia. Schon 16 Jahre lebt er auf dem Puesto und betreut die Pferde. Es ist ein wunderschöner Platz. Ein Arojo dicht neben dem Haus versorgt das ganze Jahr über mit Wasser,das weite Tal stößt auf eine Bergkette, deren Spitzen noch mit Schnee bedeckt sind. Sonne, Berge, Pferde. Ein einfaches und schönes Leben, wie Ramon bestätigt. Bis uns Gonzalo am frühen Abend abholt, verfliegt die Zeit. Wir verabreden uns für den nächsten Tag.

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